Dobermann im Krieg

Der Hund im Kriegsdienst

   
Panzereinheit 2.Weltkrieg
 
Okinawa

Früh schon erkannte der Mensch den Wert des Hundes als Verbündeten in Kampf und Krieg. So wurde er bald Waffe des Angreifers genauso wie Schutzschild des Verteidigers. Den Kriegshund im engeren Sinne gibt es erst seit ca. 1900. Und die Tatsache, dass in den beiden Weltkriegen viele Hunde auf dem „Feld der Ehre“ den „Heldentod“ starben, ist letztlich ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Mensch-Hund-Beziehung.

Seit wann Hunde als fester Bestandteil von Kampfeinheiten verwendet werden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Überlieferungen sind sehr spärlich und lückenhaft. Die antike Geschichtsschreibung bietet nur vereinzelt Hinweise auf den Einsatz von Hunden im Kriegsdienst.

   
Soldaten mit Hund
 
Marine Devil Dog

Der „moderne“ Kriegshund
Der Kriegshund im modernen Sinn entstand um etwa 1900. Vor allem in Österreich, Deutschland, Russland, Frankreich und England wurden erste Versuche mit Meldehunden gemacht, die sehr erfolgreich waren. Bald folgte die Ausbildung von Sanitätshunden, um nach Verwundeten oder getöteten Soldaten zu suchen und diese bergen zu können.
Im ersten Weltkrieg wurden nur einige tausend Hunde verwendet, im zweiten Weltkrieg waren es insgesamt ungefähr 200.000, wovon allein in Deutschland und Frankreich jeweils 40.000 Hunde zum Einsatz kamen. Um genügend Kriegshunde zu haben, wurden eigene Zuchtanstalten unterhalten, die aber bald nicht mehr den nötigen Nachwuchs an Hunden liefern konnten. Deshalb ging man daran, an die patriotischen Gefühle der Hundebesitzer zu appellieren, ihre Hunde für den Kriegsdienst zur Verfügung zu stellen. Eigene „Stellungskommissionen“ zogen durch die Lande, um „Hundemusterungen“ durchzuführen. Die „tauglichen“ Hunde wurden in „Kriegshundekursen“ für ihren Einsatz an der Front ausgebildet. Wichtige Einsatzbereiche im Kriegsdienst waren Schutz- und Wachdienst, Suche und Gefangennahme von versteckten gegnerischen Soldaten und Minensuche.
Die Armee der Sowjetunion bildete Hunde zur Sprengung deutscher Panzer aus. Dazu wurden die Hunde während der Ausbildung unter Panzern gefüttert. Vor ihrem Einsatz ließ man sie einige Tage hungern und schickte sie dann mit einem Sprengsatz auf dem Rücken, der durch einen dünnen Metallstab gezündet wurde, zu den feindlichen Panzern, um diese zu sprengen.

   
"Butch" besucht Skipper
 
"Scout" im Feldlazareth

Mythos Sanitätshund
In den beiden Weltkriegen erreichten vor allem die Sanitätshunde einen gewissen Mythos, galt doch die Bergung verletzter Kameraden, oft unter Einsatz des eigenen Lebens, als besondere Heldentat. Schon vor 1900 wurden Hunde dazu ausgebildet, Verwundete aufzuspüren und den Sanitätssoldaten anzuzeigen. Anfangs wurden die Hunde zum Verbellen oder zum Bringen der Kappe des Verwundeten ausgebildet. Negative Erfahrungen, wie Aufmerksamkeit des Feindes erregen, bzw. Unsicherheit des Hundes, was den zu apportierenden Gegenstand betrifft, führten dazu , dass sich die Methode des „ Bringselverweisens“ immer mehr durchsetzte. Dazu wurde dem Hund am Halsband ein „Bringsel“ (z.B. ein Stück Leder) angebunden, das der Hund beim Fund eines Verletzten in den Fang nahm und damit zum Sanitätshundeführer zurückkehrte, um so den Fund anzuzeigen und den Sanitäter entweder an der langen Leine oder frei zum Verwundeten zu führen.

   
2. Weltkrieg
 
North Carolina 1943

Die Meldehunde des 2. Weltkriegs
Die Leistungen der Meldehunde waren vor allem im 2. Weltkrieg immer wieder Gegenstand von Frontberichten und Veröffentlichungen der Kriegspropaganda. Die Hauptaufgabe der Meldehunde bestand darin, die Verbindung zwischen zwei Posten aufrechtzuerhalten. In erster Linie hatten sie militärische Meldungen, die sich in einer Kapsel am Hals des Hundes befanden, zu überbringen. Auch der Transport von Brieftauben, die sich in Körben am Geschirr des Hundes befanden, wurde immer wieder von Meldehunden ausgeführt. Bei der Verlegung von Kabeln für Fernsprechleitungen wurden so genannte Kabelhunde verwendet. Dabei wurde am Geschirr des Hundes das lose Ende des Telefonkabels befestigt. Während seines Laufes rollte der Hund das Kabel aus und legte somit die Leitung zur Gegenstelle. Grundsätzlich brauchte der Meldehund zwei Führer, zwischen denen er pendelte.

   
Soldaten mit
 
ihren "Devil Dogs"

In der Ausbildung wurde der Hund zuerst auf kurze Distanzen zwischen seinen beiden Führern hin und her gerufen. Allmählich wurde die Distanz vergrößert, sodaß der Hund eine Strecke von einigen Kilometern sich einprägen und bewältigen konnte. Eine andere Methode war das Legen einer Geruchsfährte mittels Tropfkanne, die eine für den Hund angenehm riechende Flüssigkeit enthielt. Der Hund lernte hier die Meldestrecke durch die Arbeit mit der Nase. Von den Spitzenhunden wird berichtet, dass sie Meldestrecken bis zu acht oder gar zehn Kilometern bewältigten. Für den häufigen Einsatz von Meldehunden sprach sicherlich auch, dass sie ein wesentlich kleineres und beweglicheres Ziel für den Gegner boten als Menschen oder Fahrzeuge. Dass Meldehunde immer wieder das Ziel feindlichen Beschusses wurden und häufig umkamen, ist wohl verständlich und mit eine Ursache, dass viele Kriegshunde den Krieg nicht überlebten.

  Für den Einsatz in verseuchtem Gebiet wurde für die Hunde ein eigener Schutzanzug mit Gasmaske entwickelt. Ob die Hunde so ausgerüstet tatsächlich zum Einsatz kamen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.


   
Denkmal für die
 
Dobermänner im 2.Weltkrieg

Die Tatsache, dass in den mörderischen Weltkriegen viele Hunde auf dem "Feld der Ehre" den "Heldentod" starben, ist aber letztlich ein trauriges Kapitel in der Beziehungsgeschichte von Mensch und Hund.

(Anton Schoberwalter)